Zurück zur Listenansicht

13.12.2019

Glasfaserausbau im Amt - Hintergründe

Netzausbau mit Glasfaser
© CC0 Creative Commons

Die Zahl der Anrufe im Amt Hagenow-Land und auch die Anfragen an manche Bürgermeister nahmen in den letzten Wochen stark zu. Grund hierfür: Viele Haushalte in den Gemeinden des Amtes erhielten kürzlich Post von der WEMAG AG aus Schwerin. Darin kündigt die WEMAG die bevorstehende Errichtung eines flächendeckenden Glasfasernetzes in unserer Region an. Auch enthalten und damit Grund der vielen Anfragen: Antragsformulare bzw. Vertragsunterlagen.

Wenngleich das erwähnte Informationspaket der WEMAG bereits viele Fragen beantwortet – bei manchen Bürgern bleiben noch Fragen offen oder gar Unsicherheit zurück.

In Bresegard fand kürzlich die erste Informationsveranstaltung zum Glasfaserausbau in unserem Amt statt und diese zeigte auf, welche Unsicherheiten bestehen und welche Fragen die Einwohner bewegen.

Wir möchten an dieser Stelle etwas Licht ins Dunkel bringen.

Zunächst soll nicht unerwähnt bleiben, dass der bevorstehende großflächige Ausbau mit hochmoderner Glasfasertechnik ein wichtiger Meilenstein für die Gemeinden unseres Amtes bedeutet. Anders als bei allen bisherigen Netz-Technologien bekommen in den nächsten 3 Jahren ca. 55% aller Haushalte einen echten Glasfaseranschluss und damit einen echten und zukunftsfähigen Hochgeschwindigkeitsanschluss an das Internet. Was das für die Menschen und die Firmen in unserer ländlich geprägten Region bedeutet, lässt sich heute nur erahnen – in jedem Falle ist dieses Projekt eine große Chance zur Steigerung unserer Lebensqualität.

Dies zu ermöglichen liegt im Wesentllichen am milliardenschweren Bundesförderprogramm für die Breitbanderschließung und am Mut unseres Landkreises (Antragsteller und Auftraggeber). So hat sich der Landkreis – namentlich Herr Falk und Herr Müller – von Anfang an für die Verwendung  der zukunftsfähigen Glasfasertechnologie ausgesprochen. Die entsprechend durchgeführte, europaweite Ausschreibung konnte die Wemacom Breitband GmbH – eine 100%ige Tochter der WEMAG AG aus Schwerin – für sich entscheiden und bekam daher nun den Auftrag zur Realisierung dieses einmaligen Infrastrukturprojektes.

Nun stellen sich viele Bürger die Frage, warum sie bereits zum aktuellen Zeitpunkt einen Internetvertrag abschließen sollen – und warum dies nur mit der WEMAG möglich sei. Das entstehende Glasfasernetz wird zunächst von der Wemacom Breitband GmbH errichtet. Um über dieses Netz künftig Kunden mit Internet-, Telefon-oder TV-Diensten zu beliefern, müssen Lieferanten mit der Wemacom als Netzbetreiber entsprechende Nutzungsverträge schließen. Zum aktuellen Zeitpunkt hat dies jedoch nur die WEMAG getan, so dass diese aktuell als einziger Lieferant Kunden innerhalb des WEMACOM Netzes beliefern kann. Jedoch stünde es auch jedem anderen der bekannten Anbieter frei, Nutzungsverträge mit der WEMACOM zu schließen und Ihre Produkte über dieses Glasfasernetz anzubieten. Die Entscheidung hierzu liegt bei jedem Anbieter allein. Im Übrigen bleiben alle bisherigen Telekommunikationsanschlüsse (Festnetz, LTE, etc.) natürlich weiterhin für Sie verfügbar.  Dank des neuen Glasfasernetzes gibt es künftig dann nur eine weitere Möglichkeit zur Anbieterwahl, über welche durch Glasfasertechnologie – sehr  leistungsfäghige Produkte bezogen werden können.

Bleibt die Frage: Warum die Eile mit dem Vertragsabschluss und was hat es mit den unterschiedlichen Anschlusskosten auf sich? Zunächst muss berücksichtigt werden, dass das komplett neu entstehende Glasfasernetz nicht zu 100% aus Fördermitteln finanziert wird. Vielmehr hat der Errichter des Netzes und Betreiber hier einen recht hohen Kapitalaufwand, der sich durch die zu erwartenden Einnahmen allein wirtschaftlich nicht darstellen lässt. Zur Finanzierung des Projektes muss der Netzbetreiber also umfangreiche Investitionen vornehmen, von staatlicher Seite wird die sog. Deckungslücke über Fördermittel finanziert. Im Anschluss an die Errichtung ist es unerlässlich, dass dieses Netz mit höchstmöglicher Auslastung durch Endkunden genutzt wird, denn nur so lässt sich ein wirtschaftlicher Betrieb sicherstellen. Eine möglichst frühe Bestellung von Leistungen macht das Projekt planbar und zukunftssicher.

Das Projekt des Breitbandausbaus in unseren Gemeinden lässt sich in 3 bis 4 Phasen unterteilen. Zunächst erfolgt nun die Grobplanung und darauf die Feinplanung des Netzes, der Trassenverläufe und vorallem der Anschlusspunkte (Haushalte). Erst danach beginnt die eigentliche Bauphase. Nach Abschluss der Bauarbeiten schließt sich Betrieb des Netzes und damit die Verfügbarkeit für den Endkunden an. Es liegt auf der Hand, dass es mit sehr viel höheren Kosten verbunden ist, den Hausanschluss zu errichten, wenn sich der Hauseigentümer erst während der Bauphase oder gar erst dann entscheidet, wenn die Baufirmen längst abgerückt sind. Optimalerweise sollte daher bereits während der Feinplanung klar sein, wo und wieviele Hausanschlüsse errichtet werden müssen. Ein späteres Umplanen kostest Geld und Zeit – daher auch die steigenden Kostenpauschalen bei „Nachzüglern“. Also kann die Empfehlung nur lauten: Entscheiden Sie sich möglichst noch während der Planungsphase für einen solchen Anschluss! Der Zeitraum dieser Planungsphase ist für jedes Projektgebiet unterschiedlich. Das für Ihre Gemeinde relevante Enddatum der Planungsphase finden Sie auf den Internetseiten der WEMAG AG.

Angst vor doppelter Belastung – etwa durch Altverträge, die sich noch in der Mindestlaufzeit befinden – müssen Sie nicht haben. Ein heute abgeschlossener Vertrag mit der WEMAG AG beginnt erst zu laufen, wenn der Hausanschluss tatsächlich installiert und das Netz in Betrieb ist.  Sollten Sie zu diesem Zeitpunkt noch ein laufender Vertrag mit Ihrem aktuellen Anbieter bestehen, dann können Sie den Beginn des WEMAG-Vertrages um bis zu 12 Monate in die Zukunft schieben. Zudem werden Sie rechtzeitig informiert, wann etwa mit einer Fertigstellung des Netzes zu rechnen ist.

Oft wird die Frage gestellt, ob man einen solch‘ schnellen Anschluss oder gar überhaupt einen Internetanschluss benötigt. Diese Entscheidung obliegt natürlich Ihnen allein. Sie sollten jedoch zwei Aspekte in Ihre Überlegungen einbeziehen:

Die Geschwindigkeit, in der die Digitalisierung Einzug in unser berufliches und privates Leben hält, nimmt stetig zu. Ein Ende dieser Entwicklung ist überhaupt nicht absehbar, hier stehen wir erst am Anfang eines stetigen Entwicklungsprozesses. Sicher ist, dass eine Teilhabe an der digitalisierten Gesellschaft, am Berufsleben, an Bildung, am Gesundheitswesen oder an der Politik – quasi an allen Bereichen unseres Lebens ohne den Zugang zum Internet künftig nicht mehr möglich sein wird. So viel zur Frage, ob man einen Anschluss benötigt.
Zur Frage, ob ein bereits vorhandener Anschluss ausreichend ist:  Wie bereits erwähnt, stehen wir gerade erst am Anfang der Digitalisierungswelle und der Umfang sowie die Art und Weise mit der wir über das Internet Informationen austauschen (müssen), wird rasend schnell wachsen – mit einem schnell steigenden Bedarf an Bandbreite als Ergebnis.

Und auch denjenigen Hausbesitzern, die für sich sagen, dass sie diese Entwicklung nicht mehr miterleben werden, sei  ans Herz gelegt: Wollen Sie dem künftigen Käufer oder vielleicht dem späteren Erben Ihrer Immobilie tatsächlich mitteilen müssen, dass ausgerechnet in Ihrem Haus kein schneller Zugang zum Internet möglich ist? Steven Hufnagel